documenta, freier Eintritt in städtische Museen, dock4 und freie Szene

Meine Notizen aus dem Ausschuss für Kultur am 14.02.17
Folgende Tagesordnung liegt vor:

1. Vorstellung des Konzeptes der documenta 14 im Kulturausschuss, Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Oktober 2016, Bericht des Magistrats 101.18.275
2. 2. Zusatzvereinbarung zum Theatervertrag 101.18.432
3. Freier Eintritt in städtische Museen 101.18.298
4. Raumbedarf der Stadt Kassel im Dock 4 101.18.416
5. Bericht über Situation der “freien Szene” 101.18.449
6. Zeitplan Errichtung eines documenta-Institutes und Nutzung des “dock4” 101.18.450

1. Vorstellung des Konzeptes der documenta 14 im Kulturausschuss, Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Oktober 2016, Bericht des Magistrats 101.18.275

Frau Kulenkampff, die Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, berichtet über die Vorbereitungen in Kassel und Athen. Das Konzept von Herrn Szymczyk zur d14 bleibe gleich. Das Vorbereiten von 2 Ausstellungen sei für Team und Verwaltung eine Herausforderung. Die Stadt Kassel sei sehr kooperativ, die Zusammenarbeit eingespielt. Die Hauptverwaltung läuft von Kassel aus, in Athen gibt es eine kleine Dependance mit 2 Mitarbeitern. Athens Bürgermeister sei ein verlässlicher Partner, dennoch ist die Organisation in Athen unvergleichbar schwieriger. Von Athen lernen, sei auch lernen, wie es ist, eine documenta an einem anderen Ort zu veranstalten. Bei der Planung habe man die politische Entwicklung und die Finanzkrisen noch nicht absehen können. Es habe allein 1,5 Jahre gedauert, bis die beantragte Steuernummer da war, ohne die man niemanden hätte einstellen können. Auch die Bargeldverfügbarkeit (120.-€ die Woche reichen nicht) erschweren die Arbeit vor Ort, denn nicht alles kann per Überweisung erledigt werden. Man lerne viel, wie man Dinge auch anders angehen kann. 140 Künstler aus aller Welt haben Vorschläge für Projekte in Kassel und Athen gemacht, unter anderem das Parthenon of Books, zu dem noch Bücherspenden von einst verbotenen Büchern gesucht werden. Das Vertrauen in die documenta bei der Umsetzung der Projekte Berge versetzen zu können, sei groß. Zu dem Projekt erläutert sie, dass die Bücher gut eingeschweißt werden und nach der Ausstellung nicht auf den Müll wandern, sondern wieder Menschen zum Lesen zugeführt werden sollen.
Es folgt eine kurze Vorstellung des Magazins South in the state of mind, welches 4 Folgen der documenta widmet. Die Printausgabe ist in englisch, es gibt aber auch eine Webversion auf deutsch. Die erste (documenta) Ausgabe befasst sich mit dem Verlust des Ortes, greift also die Flüchtlingsthematik auf. Die zweite Ausgabe hat Verbergen/Maskieren als Thema, unter anderem wird der Gurlitt-Nachlaß thematisiert. (Gezeigt werden kann er leider nicht). Die dritte Ausgabe handelt von Hunger und Verlust. Die vierte wird während der laufenden Ausstellung veröffentlicht.

Im Moment läuft in Athen schon eine Reihe an Diskussionen im “Freiheitspark” unter der Regie von Paul B. Preciado, Philosoph, Kurator und Transgender-Aktivist. In Athen wurde erst durch das öffentliche Programm klar, dass die documenta nicht in dem Sinne “schön” ist, sondern vor allem Fragen stellt, kontroverse Diskussionen anstößt und Kunst durchaus auch eine Herausforderung darstellen kann. Zu dem öffentlichen Programm gehört, dass einmal die Woche im Fernsehen Filme (Arthouse?) gezeigt werden und dort ein erheblich größeres Publikum erreichen, als in Kinos (Einschaltquoten um die 60000).

Am 08.04.17 wird die Eröffnung mit Programm in Athen sein, am 10.06.17 dann in Kassel. Die bisherige Resonanz sei gut, man habe schon über 1000 Walks (Führungen) verkauft, auch der Ticketverkauf, die man auch online kaufen kann, laufe vielversprechend an. Für die Ausstellung plane man noch einiges Richtung Nachhaltigkeit, zb statt Einweg, Porzellangeschirr, der Shuttle wird mit E-Mobilen von VW laufen, es wird eine Fahrradkarte geben, auch eine große Aktion zusammen mit der AOK “Mit dem Fahrrad zur documenta”.

OB Hilgen betonte im Anschluss (in Bezug auf die Diskussionen letztes Jahr) noch mal die Wichtigkeit der freien Entscheidung des Kurators über die Gestaltung der Ausstellung, das sei ein Garant für den Erfolg. Der Fokus liege auch bei dieser documenta eindeutig auf Kassel und er sei stolz darauf, dass diese weltweit bedeutendste Kunstausstellung in Kassel stattfindet.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass man von Calden aus direkt nach Athen und zurück fliegen kann. Die Buchungen laufen schleppend an, das könnten mehr sein.
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2. Zusatzvereinbarung zum Theatervertrag 101.18.432

OB Hilgen erläutert noch mal die Zahlen und die Beteiligung des kommunalen Finanzausgleichs.
Der Antrag wird einstimmig angenommen.
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3. Freier Eintritt in städtische Museen 101.18.298

Herr Dr. Hoppe, Freie Wähler und Piraten, erläutert den Antrag und ergänzt die bereits bei der letzten Sitzung vorgenommene, aber nicht in die Unterlagen übernommene, Änderung. Der kürzlich angenommene Prüfantrag der FDP betreffe nur Nichtvolljährige, seine Fraktion wolle auch finanziell nicht so gut gestellten Menschen Teilhabe ermöglichen.
OB Hilgen erklärt, dass der Verzicht auf Eintritt am ersten Sonntag im Monat Mindereinnahmen von ungefähr 27.000€ bedeute, für sinnvoller hielte er es, einen Tag zu wählen, der weniger Besucher hat, z.B der Mittwoch.
Dr. Alekuzei, SPD, rät zu den Antrag zu vertagen und erst mal das Ergebnis des Prüfantrags der FDP abzuwarten. Herr Dr. Hoppe ändert den Antrag in einen Prüfantrag  und streicht die Festlegung auf den Wochentag.
Dr. Eichler (SPD) spricht dem Antrag Haushaltsrelevanz zu, deshalb sei er abzulehnen, Herr Rönz (B90/Grüne) begründet die Ablehnung mit der zweifachen Änderung. Herr Leitschuh signalisiert Zustimmung und betont, dass die Wahl z.B eines Mittwochs der ursprünglichen Intention des Antrags, den Menschen vor Ort Teilhabe zu ermöglichen, näher komme. Herr Dr.Hoppe erinnert noch einmal daran, dass ein Prüfantrag keine Haushaltsrelevanz habe und der Prüfantrag der FDP angenommen wurde.
Der Antrag wird gegen die Stimmen der Freien Wähler und Piraten, der Kasseler Linken und der CDU durch SPD und Grüne abgelehnt.

(Die FDP hat keine Fraktion mehr, die AfD war nicht anwesend)
Auf Nachfrage von Herrn Leitschuh, ob jetzt nicht geprüft würde, entgegnet OB Hilgen, dass der Magistrat prüft was er für sinnvoll hält. (Dass er es für sinnvoll hält, war imho aus den Ausführungen vor der Abstimmung ersichtlich.)
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4. Raumbedarf der Stadt Kassel im Dock 4 101.18.416

OB Hilgen beschreibt die Situation im Dock4 und bejaht eine steigende Nachfrage nach Räumen im Dock4. Erst durch den Umzug des Documentaarchivs werden Ressourcen frei um das Raumangebot zu erweitern. Während des Documentajahrs werden Räume für Tanz und Theaterproduktionen nicht anmietbar sein. Das betrifft zb das Aktionstheater. Da es sich dabei um nicht fest vergebene Übungsräume handelt, wird kein Umzug nötig sein. Der Raum, den die Musikschule nutzt, ist nicht betroffen.
Insgesamt wird die Stadt durch die Vermietung an die documenta etwas höhere Einnahmen haben, als sonst.
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5. Bericht über Situation der “freien Szene” 101.18.449

Der Antrag wird einstimmig angenommen.
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6. Zeitplan Errichtung eines documenta-Institutes und Nutzung des “dock4” 101.18.450

OB Hilgen erklärt, man habe der Realisierung noch nie so nahe gestanden wie jetzt. Im Bundeshaushalt 2017 sind 12 Millionen für das Projekt eingestellt, man sei in weiteren Gesprächen. Das Land sei noch nicht ganz so weit, man habe aber eine wohlwollende Erklärung des Ministerpräsidenten bekommen. Die Haushaltsberatungen im Land waren da aber schon abgeschlossen. Man rechne damit, dass für das documenta-Institut um die 6 Millionen im nächsten Haushalt eingeplant werden. Des weiteren sucht Herr Hilgen Mäzenen. Insgesamt rechne er mit Kosten in Höhe von ca 24 Millionen Euro. Näheres wird im April in den Geschäftsgang gehen und am 8.Mai in der Stadtverordnetenversammlung beraten.
Geplant ist ein Leibniz-Institut und Zusammenarbeit mit der Universität, die rechtlichen Fragen sind noch in der Prüfung.

Ende der Sitzung.

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