Kulturausschuss, 32. öffentliche Sitzung

Notizen aus dem Kulturausschuss, 32. öffentliche Sitzung am 3.3.2020 (ohne Gewähr)

1. Aktueller Stand der Entwicklung des Henschelareal

Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 23. September 2019
Bericht des Magistrats -101.18.1412-

Der Stadtbaurat berichtet, das Projekte begleite seine Abteilung schon geraume Zeit.
Es gebe dort vier Bereiche:

  • Mister Wilson, Skatepark
  • das Technikmuseum und das Henschelmuseum
  • ein Haus mit Künstlern
  • Gewerbe

Man sei mit dem Eigentümer, einem großen internationalen Immobilienkonzern, in intensiven und regelmäßigen Gesprächen. Der Investor sei bedingt entwicklungswillig. Letztes Jahr habe es viele Gespräche gegeben und die Vorstellung eines Konzeptes, welches der Investor aber ausdrücklich nicht veröffentlichen wolle. Die Richtung sei aber klar. Es gehe um Teilabrisse, eine Nutzung für Kultur solle bleiben und eine städtebauliche Einbindung solle geschaffen werden. Im Moment gebe es nur wenige Eingänge, das Gelände solle vom Stadtteil aus besser zugänglich werden, da sei man sich einig.

Man habe dem Investor erklärt, wie eine Entwicklung aussehen müsee, dass ein Beteiligungsverfahren gemacht werden und einen Rahmenplan politisch verabschiedet müsse. Nachfolgend würde man das Projekt mit einzelnen Bebauungsplänen begleiten. Klar sei, dass es Eingriffe in das Denkmal geben müsse, um Zugänge zu schaffen. Man könnte zum Beispiel eine der großen Hallen zur Erschließung nutzen. Im November habe es eine Begehung gegeben und eine weitere Diskussion mit dem Investor über Denkmalpflege, also was unproblematisch geändert werden könne und wo besondere Herausforderung liegen. Aus fachlicher Sicht habe es eine hohe Übereinstimmung gegeben. Seither habe man allerdings nichts mehr gehört. War der Stadtbaurat letztes Jahr noch hoffnungsvoll, so nehme das mit fortschreitender Zeit ab. Man prüfe momentan Möglichkeiten von Zwangsmaßnahmen, um den Druck zu erhöhen. Die rechtlichen Hürden seien jedoch sehr hoch.

Zudem gebe es neben der städtebaulichen Entwicklung eine zweite Verhandlungsebene: die Mietverträge.
Mister Wilson habe bis heute keinen dauerhaften Mietvertrag. Die Städtebaufördermittel in Höhe von 100.000 € könnte man so nicht einsetzen, dafür brauche es Mietverträge mit einer Laufzeit von mindestens 10 bis 20 Jahren. Man habe an unterschiedlichen Stellen mit der Firma zu tun, auch im Mittelfeld, man nutze jeden Kontakt, um auf die Problematik auf dem Henschelgelände hinzuweisen.
Die Kulturdezernentin ergänzt, dass man auch das Technikmuseum dort behalten wolle. Dessen Betreibersstruktur habe sich stabilisiert, es gebe jetzt zwei Stellen und Mittel für die Konzepterstellung. Auch hier fehle ein langfristiger Mietvertrag, ebenso wie beim Henschel Museum, welches mit dem Technikmuseum eng verzahnt sei. Auch für die Künstler und Musiker wolle man gemeinsam mit dem Investor Lösungen finden. Mr. Wilson sei zwar kein Kulturakteur, aber eine Sportinstitution, die soziokulturelle Aufgaben übernehme. Es gebe dort also qualitativ hochwertige Angebote, die man weiterentwickeln wolle.

Die SPD-Fraktion fragt nach, ob der Investor ein Starttermin mitgeteilt habe, der Magistrat verneint dies. Weiter fragt sie nach, ob es Möglichkeiten gebe, über die anderen Standorte Druck auszuüben. Auch das verneint der Magistrat, jedes Projekt stehe einzeln. Koppelgeschäfte seien keine Möglichkeit der Planungshoheit. Zudem sei man froh, dass die Immobilie im Mittelfeld funktioniere. Für den Stadtteil sehe man ein großes Potenzial, auch die nicht denkmalgeschützten Bereiche böten viele Möglichkeiten.
Aufgrund einer Nachfrage der CDU erläutert der Stadtbaurat, dass man den städtebaulichen Missstand prüfe, man jedoch das Problem habe, dass die Stadt dann auch in der Investitionsverpflichtung sei. Damit sei man vorsichtig da es große Gebiete betreffe. Eine rechtliche Prüfung laufe bereits. Die Kasseler Linke weist auf den schlechten baulichen Zustand hin, die Hallen seien zum Beispiel teils nicht dicht. Der Stadtbaurat entgegnet, der Denkmalschutz sei letztes Jahr dreimal vor Ort gewesen und der Investor beseitige angezeigte beanstandete Mängel.


2. Verleihung Arnold-Bode-Preis 2019

Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 27. Januar 2020
Bericht des Magistrats -101.18.1553-

Die Kulturdezernentin erklärt, aus wem das Kuratorium für den Arnold Bode Preis besteht und stellt den Künstler, Hans Haacke, vor. Man habe mit Hans Haacke einen interessanten Preisnehmer ausgesucht, wie auch Auszeichnungen anderer Städte für dessen Werk unterstrichen. Die Veranstaltung am 30. Oktober im Kunstverein, mit ungefähr 200 Gästen, sei eine schöne Veranstaltung gewesen, die auch in der Presse deutliche Resonanz gefunden habe.


3. Kulturelle Nutzung auf dem Salzmann Areal

Anfrage der Fraktion Kasseler Linke 101.18.1612

1.Wie weit ist die Umsetzung des Beschlusses zur Erstellung eines kulturellen Nutzungskonzepts auf dem Salzmann Areal? (Vorlagen-Nr. 101.18.1370, Beschluss am 26.8.19)
2.Was sind die Ergebnisse?
3.Welche Varianten wurden geprüft?
4.Inwiefern wurden die Akteure der freien Szene beteiligt?

Die Kulturdezernentin beantwortet die Fragen 1-4 gemeinsam. Die Voraussetzungen für die Aufnahme konkreter Verhandlungen seien mit den Beschlüssen in der Stadtverordnetenversammlung am gestrigen Abend über den Bebauungsplan und den städtebaulichen Vertrag geschaffen worden. Der städtebauliche Vertrag sehe 1000 m² im Hochparterre für Kulturschaffende und Akteure vor. Im nächsten Schritt erfolge der Bauantrag durch den Investor.

Jetzt, mit der Beschlusslage, könne man Gespräche mit potenziellen Nutzern beginnen. Akteure aus der freien Szene würden eingebunden. Man schaue, welche Bedarfe bestünden und wie man diese mit den vorhandenen Flächen lösen können. Dies könne dazu führen, dass es einen Nutzer gebe, oder mehrere Nutzer, die sich die Fläche teilen und die unter Umständen auch gefördert würden. Das sei alles offen und hänge von den Bedarfen ab.

Die Kasseler Linken fragt nach, ob es möglich sei, dass die Stadt die Fläche anmietet und an Kulturschaffende weitergibt. 5,50 € pro Quadratmeter seien für viele Künstler der freien Szene zu viel.

Die Kulturdezernentin erwidert, dass dies möglich sei.

B90/Grüne erklärt, der Entwurf des städtebaulichen Vertrages sei lange in der Diskussion, auch die Kulturinitiativen würden diesen kennen. Sie stünden jedoch nicht Schlange. Deshalb habe man bewusst das Konzept offen gelassen. Grundsätzlich sei man offen für eine Subventionierung, man müsse die Gesamtsituation betrachten. Zunächst sei es besser, man würde erst mal ein halbes oder ein Jahr abwarten, wie sich die Situation entwickle.


4. Stadt(teil)entwicklung und Teilhabe

Anfrage der Fraktion B 90/Grüne 101.18.1620

Wir fragen den Magistrat:
1.Welche Projekte in welchen Stadtteilen wurden mit den bereitgestellten Mitteln aus dem Haushalt 2019 durchgeführt?

Es wurden 15 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 26.750 € durchgeführt. Die Projekte lagen finanziell überwiegend im Bereich um die 1000 € (zwischen 500 und 2.500 €). So sei dies auch angedacht gewesen.

    • Vier Projekte waren stadtteilübergreifend
    • Fünf Projekte gab es in Nordholland
    • Zwei Projekte im Wesertor
    • Zwei Projekte in Wilhelmshöhe
    • Ein Projekt in  Kirchditmold
    • Ein Projekt in Harleshausen

Vier befassten sich inhaltlich mit öffentlichen Kulturveranstaltungen/Programmen, vier dienten der strukturellen Förderung zur Verbesserung der Kulturarbeit vor Ort, sieben seien aus dem Bereich kulturelle Vermittlung Teilhabe gewesen.

2.Welche Projekte sind für das Jahr 2020 vorgesehen

Die Deadline für die Anträge sei am 31. Januar gewesen. Es seien zahlreiche Anträge eingereicht worden, diese würden nun gesichtet und ausgewertet. Ab April gehe es in die Vorplanung. Jetzt sei es für eine Aussage zu früh.


5. documenta und Nationalsozialismus

Anfrage der Fraktion B 90/Grüne 101.18.1621

B90/Grüne begründen ihre Anfrage. Den Einrichtungen in der Stadt sei nicht so ganz gelungen dem negativen Touch der Berichterstattung etwas Positives entgegenzusetzen, das Thema positiv aufzunehmen und aufzuarbeiten. Deshalb frage man, wie der Magistrat dies einschätze und wie er die Geschichte aufarbeiten wolle.

Wir fragen den Magistrat:
1.Welche Erkenntnisse hat der Magistrat über die nationalsozialistische Vergangenheit zentraler Akteure der documenta?

Die Kulturdezernentin erklärt, die Informationsgrundlage des Magistrats bestehe im Wesentlichen aus der aktuellen Berichterstattung. (ARD, Titel, Themen, Temperamente, tazFAZ usw.). Hinzu komme das Symposium documenta, Geschichte, Kunst, Politik unter Teilhabe der documenta, vielen Künstlerinnen und Künstlern, Kuratorinnen und Kuratoren, sowie internationaler Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker.
[Text decumentaforum
PM:Historische Urteilskraft documenta DHM.pdf]

2. Welche Chancen sieht der Magistrat, die Vergangenheit der documenta umfassend aufzuarbeiten?

Die Kulturdezernentin sieht die Aufarbeitung als wesentlichen Themenschwerpunkt, mit dem sich das documenta-Institut befassen solle. Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit hänge wesentlich mit der Umsetzung des documenta-Instituts zusammen. Die Professoren würden nach der Maßgabe zusammengestellt, sich mit solchen Fragestellungen zu befassen. Der Karlsplatz habe im Untergrund die alten Versammlungs- und Bürgerkeller/Folterkeller der SA. Max Plaut sei der Erste gewesen, der dort zu Tode gefoltert wurde. Die inhaltlichen Zusammenhänge seien sehr stark. Die Bürgersäle seien 1943 zerstört worden und aus Sicht des Kulturdezernats ergebe sich hier eine gute Chance auf dem Fundament, im doppelten Sinne, eine Erforschung und Weiterentwicklung der documenta im Sinne von Arnold Bode aufzunehmen.


6. Besucherzahlen städtischer Kultureinrichtungen

Anfrage der Fraktion B90/Grüne 101.18.1622

Wir fragen den Magistrat:
1.Wie haben sich die Besucherzahlen der Kulturinstitutionen, die sich in Trägerschaft der Stadt Kassel befinden, im Jahr 2019 entwickelt?

Die Kulturdezernentin leitet ein, man könne hier viel Zahlenmaterial liefern, sie beschränke sich auf die wichtigsten Entwicklungen.

    • Naturkundemuseum: im Jahr 2019 habe es hier mit 93.890 Besuchern einen Rekord gegeben. Dies seien 34 % mehr als im Vorjahr, wobei man betonen müsse, dass dieses Haus immer gut besucht sei und 2018 alle Museen eine Flaute wegen der Hitze hatten. Sie führt die Zahlen auf attraktive Sonderausstellung zu aktuellen Themen zurück.
    • Das Stadtmuseum habe über 9000 zusätzliche Besucher gehabt, 29.000 insgesamt. Auch hier habe es attraktive Sonderausstellung gegeben (Tatorte NSU, ab in die Achtziger)
    • Die Stadt Bibliothek entwickele sich an den neuen Standort gut. Im Jahr 2019 habe es 200.000 Besucher gegeben. Die Nutzung habe ein Plus von 40.000 Nutzungen zu verzeichnen, 531.000 waren es insgesamt. Die Online Ausleihe konnte sich von 90.000 auf 111.000 steigern.
    • Das Stadtarchiv sei von 1421 Personen besucht worden, es habe ca. 100 Veranstaltungen durchgeführt. Die Öffnung in die Stadtgesellschaft sei erfolgreich vorangetrieben worden. Eine wichtige Aufgabe sei die Digitalisierung, man habe ca. 7000 Fotos digitalisiert.
    • Das Dock 4 habe mit Veranstaltungen im Bereich Tanz, Theater und Literatur 16.500 Besucher angezogen (ohne Open-Air-Kino)
    • Die Musikakademie habe 101 Veranstaltungen organisiert, davon 54 eigene Konzerte. Es habe eine Vielzahl von Kooperationen gegeben.

2. Wie bewertet der Magistrat diese Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren?

Die Entwicklung sei positiv. Die guten und steigenden Besucherzahlen machten sichtbar, wie viel Rückhalt die Museen in der Stadtgesellschaft hätten und wie gut sie angenommen würden.

3. Wo sieht der Magistrat noch Potenziale?

    • Entwicklungspotenziale gäbe es immer. Hier wolle man aufgrund der positiven Entwicklung den eingeschlagenen Weg fortsetzen und auf diesem Niveau aufrechterhalten und weiterentwickeln.
    • Räumliche Potenziale sehe man bei der Stadtbibliothek. Man schaue, welche Möglichkeiten und Bedarfe es weiterhin gebe und wie man die Bibliothek quantitativ und qualitativ erweitern könne um hier einen niedrigschwelligen Treffpunkt/Einstieg in Kultur und Bildung zu ermöglichen.
    • Im Stadtarchiv lägen noch Potenziale in weiterer Digitalisierung und in der räumlichen Situation.
    • Potenziale bei der Besucherentwicklung sehe man bei der Verbesserung transkultureller Teilhabe. So könne man neue Besuchergruppen erschließen.